Tierdrama mit glücklichem Ausgang

Wunder gibt es immer wieder! Und um ein solches muss es sich wohl bei der glücklichen Rettung eines am 17. April an der Burg Schwalbennest abgestürzten Hundes handeln, so unglaublich die Geschichte auch klingt. Das Tier überlebte den circa 50 Meter tiefen Sturz über die Felswand, blieb mitten in der Wand auf einem schmalem bewachsenen Felsvorsprung liegen und überstand dort gut zwei Wochen ohne Nahrung und Wasser.
Aber der Reihe nach: Pito, ein 10 Monate alter Schäferhundmischling, entwischte seinem Herrchen, als dieser bei einem Spaziergang eine kurze Rast an der Burg einlegte. Alles Rufen und Suchen war vergebens, auch die vom Herrchen organisierte systematische Suche mit Freunden über mehrere Tage blieb ohne Erfolg.
Dann aber meldeten sich andere Hundbesitzer, die in ihrem Haus am Neckar schräg gegenüber zur Burg fast jede Nacht ein jämmerliches Jaulen und Bellen hörten. Sie gingen den Lauten nach, und bald stand für sie fest, der Hund muss irgendwo in der riesigen, 100 Meter senkrecht abfallenden, aber teilweise bewachsenen Felswand unterhalb der Burg liegen. Aber wo ?!
Die alarmierte Polizei zeigte wenig Interesse, benachrichtigte aber die Neckarsteinacher Feuerwehr, die sofort ihre Hilfe zusagte und in Form einer Übung nach Pito suchten. Vergeblich!
Die Hundefreunde, inzwischen um etliche andere Hundebesitzer, Tierärzte und eine Hundepsychologin erweitert, ließen nicht locker. Das verzweifelte nächtliche Heulen und Bellen raubte ihnen den Schlaf. Als nächstes konnten sie die Mitglieder des Neckargemünder Hochseilgartens bewegen, in einer äußerst gewagten und aufwendigen Aktion in die Felswand zu steigen. Vergeblich. Immer wenn jemand in der Wand war, gab das Tier keinen Laut von sich, sodass langsam Zweifel aufkamen, ob man nicht einem Phantom nachjagte.
Schließlich erhielt am vergangenen Freitag, also 15 Tage nach dem Verschwinden des Hundes, die Neckarsteinacher Freiwillige Feuerwehr von der Stadt die Genehmigung, in einer letzten Aktion die Lage des Hundes ausfindig zu machen. Wieder verlief die stundenlange angestrengte Suche oberhalb und unterhalb der Burg negativ, auch eine von der Grasellenbacher Feuerwehr herangeschaffte Wärmebildkamera brachte kein Ergebnis. Als letzte Möglichkeit suchten dann die Feuerwehrleute nach Anbruch der Dunkelheit die Felswand mit zwei 1000 Watt starken Scheinwerfern ab und da plötzlich – bejubelt von allen Umherstehenden – leuchteten in der Mitte der Felswand zwei Augen auf: Pito war gefunden!
Aber noch nicht geborgen! Das aber erledigte am nächsten Morgen – weil die Neckarsteinacher Feuerwehr für solch eine lebensgefährliche Kletterpartie nicht ausgebildet ist – ganz professionell die zur Hilfe herbeigerufene Mannheimer Berufsfeuerwehr, Abteilung Höhenrettungstruppe. Für die dreistündige, waghalsige Abseilaktion stiegen fünf Mann 100 Meter über der Eisenbahnlinie in die Felswand ein. Nach umfangreichen Sicherungsmaßnahmen wurde ein Mann am Seil heruntergelassen, gebannt verfolgt von den inzwischen zahlreichen unten stehenden Menschen. Die Neckarsteinacher Feuerwehr gab von unten über Funk genaue Anweisungen, und so landete der mutige Retter genau in dem Gebüsch, in dem Pito lag. Er wurde – sorgfältig in einer Tragetasche verpackt - die restlichen 50 Meter Felswand heruntergelassen und dort unten sofort von einer Tierärztin untersucht und mit Wasser und Nahrung versorgt. Er ist zwar stark abgemagert, weist aber sonst nur ein paar Schürfwunden und Prellungen auf. Mit Freudentränen wurde er vom Herrchen und den Hundefreunden in Empfang genommen, soll aber die nächsten Tage noch in einer Hundepension beobachtet werden. Wie er die 16 Tage und Nächte überleben konnte, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.
Elisabeth Hinz
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