Erfolgreiche zweite Buchmesse

Neckarsteinach. Trotz Sturms, Ausfall der S-Bahn und Hochwasser am Neckar – und damit fehlender Parkplätze – fand die zweite „Kleine Buchmesse im Neckartal“ im Bürgerhaus wieder eine sehr gute Resonanz. Wer sich trotz all dieser Widrigkeiten in die Vierburgenstadt aufmachte, wurde nicht enttäuscht, denn die Bücher-Präsentationen von 26 Verlagen aus der ganzen Region erlaubten Schmökern ohne Ende.

Und neben den Verlegern freuten sich über den Erfolg ganz besonders die Veranstalter: der Heimat- und Kulturverein und als Initiator und Hauptorgansator des Literaturereignisses die Neckarsteinacher Verleger Dr. Walter und Nadine Sauer, die den Mut hatten, den großen weltbekannten deutschen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig eine kleine aber feine Buchmesse in der Metropolregion entgegenzusetzen.

Für dieses Engagement dankte bei der Eröffnung der Messe Bürgermeister Eberhard Petri (r.), Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins, dem Ehepaar (l.) aufs Herzlichste.

Sein Dank galt aber auch den anwesenden Vertretern der Sponsoren: Direktor Klaus Thieme (Sparkasse Starkenburg 2.v.r.), Sabine Heckel (Volksbank Neckartal 3.v.r.) sowie Dieter Brehm (BW-Bank, 3.v.l.), ohne deren finanzielle Hilfe eine solche Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre (4.v.l. Martin Proba, IHK Darmstadt).

Walter Sauer zitierte in seiner Eröffnungsrede einen Pressesatz, der genau das ausdrücke, was ihm bei seiner Idee wichtig gewesen sei, nämlich „die literarische Seite der Metropolregion jenseits der Leuchttürme“ erlebbar zu machen. Die Buchmesse im Neckartal erwarte keinen Massenandrang, sondern sie konzentriere sich auf das reiche literarische Angebot der Region, gebe gerade kleinen Verlagen eine Chance, sich bekannt zu machen und biete Buchhändlern und Lesern die Möglichkeit, sich auch über spezielle Nischenliteratur zu informieren. Sein Fazit fasste er einem französischen Bonmot nachempfundenem Kalauer zusammen: „Neckarsteinach ist eine (Buch-)Messe wert“.

Qual der Wahl bei breitem Angebot

Und so hatte das lesefreudige Publikum wieder einmal die Qual der Wahl. Die Palette der ausgelegten Literatur umfasste nahezu alle Genres: liebevoll gestaltete Kinderbücher, aufwändige Bildbände, Sach- und Fachbücher, Krimis, Romane und Kurzgeschichten, regional bezogene Landschafts- und Heimatbücher, Reiseführer, Philosophie, Esoterik und und ....

Die Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit der Verlage zeigte sich oft in einem sehr unterschiedlichen Verlagsangebot; so konnte man sich in ein- und demselben Verlag sowohl mit der aktuellsten Nahost-Literatur versorgen, als auch supermoderne Bild- und Textbände über 40 Jahre Rockmusik oder das Sänger-Idol Bob Dylan erwerben. Liebhaber fanden auch die neueste Struwwelpeter-Version in Katzengestalt oder die reiche Auswahl an Fantasy-Geschichten.

Erneut ein Highlight: die Autorenlesungen

Ein weiteres Highlight der Buchmesse war ohne Frage das Beiprogramm in Form von Autorenlesungen. Sie fanden in halbstündigem Wechsel in getrennten Räumen statt, und oft genug war die Zeit viel zu kurz für die abwechslungsreichen Geschichten und Vorträge. Die originellen Mundart-Erinnerungen von Brigitte Echner brachten die Zuhörer zu herzhaftem Lachen, dem spannenden Krimi von Lilo Beil hätte man gerne länger gelauscht, ebenso den unterhaltsamen Kurzgeschichten von Peter Höhl; der Heidelberger Kulturamtsleiter Hans-Martin Mumm hatte Interessantes über die Heidelberger Stadtansichten zu berichten, die Neckargemünder Autorin Gudrun Reinboth las Auszüge aus ihrem neuen Mittelalterroman. Und dann konnte man auch noch Deutschlands bekanntesten Vampirologen kennenlernen: Friedhelm Schneidewind beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Drachen, Mythen und Fantasy-Geschichten und was er vorab zu seinem Ende März erscheinenden Drachen-Schmöker-Lexikon erzählte, klang so interessant, dass dieses Buch sicher viele Leser finden wird. Und der äußerst lebhafte Vortrag von Prof. Dr. Jean Firges über den Minnesänger Walter von der Vogelweide führte sogar nach der Lesung noch zu weiteren Diskussionen, in denen sich der Professor zu der Überzeugung bekannte, dass sich der berühmteste Dichter der Stauferzeit und der Neckarsteinacher Minnesänger Bligger von Steinach in der Kaiserpfalz Hageneau begegnet sind; eine spannende Aussage gerade für die Neckarsteinacher!

Und so kam wirklich jeder Besucher auf seine Lese-Kosten. Die Buchmesse im Neckartal ist eine großartige kulturelle Veranstaltung, und sie sollte, wie Martin Proba von der IHK Darmstadt bei der Eröffnung vorschlug, im nächsten Jahr in ihrer Werbung auf das Wort „kleine“ verzichten.

Elisabeth Hinz

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