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Die Staustufe im Neckar
Seit mehr als 50 Jahren ist der Neckar zwischen Mannheim und Heilbronn ein durch Staustufen geregelter Großschiffahrtsweg.
Am 28. Juli 1935 wurde nach 15 Jahren Bautätigkeit der erste Teilabschnitt des kanalisierten Neckars nach Fertigstellung von 11 Staustufen und Schleusen zwischen Mannheim-Feudenheim und Kochendorf feierlich eingeweiht und vollschiffig an den Rhein angeschlossen. Diese von den damaligen Schiffern zunächst gar nicht einhellig begrüßte einschneidende Maßnahme brachte große Strukturveränderungen für den gesamten Schiffsverkehr und hat die Entwicklung der Partikuliere und Reeder am Neckar entscheidend beeinflußt.
Die Konkurrenz der
seit 1879 bestehenden Neckartal-Eisenbahn hatte bewirkt, dass statt der bis dahin
üblichen Treidel-Schiffahrt (d. h. die Schiffe wurden mit Pferden vom Ufer aus
stromaufwärts gezogen) die Kettenschlepp-Schiffahrt (d. h. die Schleppboote
zogen sich und drei bis vier anhängende Frachtboote an einer im Flußgrund liegenden
Kette aufwärts) eingeführt wurde.
Diese technische Neuerung konnte allerdings nicht verhindern, dass die Schiffahrt oft über längere Zeit im Jahr durch Hochwasser, Eisgang und vor allem durch Niedrigwasser behindert war. Zum Beispiel vermerkt das Protokollbuch des Neckarsteinacher Schiffervereins für 1921 einen Pegelstand von 18 cm von Mai bis November und auch 1928 mußte die Schiffahrt 5 Monate lang wegen Niedrigwasser stillgelegt werden, was natürlich jedesmal einen erheblichen Verdienstausfall für die Schiffer bedeutete und die Kunden veranlaßte, ihre Transporte über die Schiene abzuwickeln.
Die Einrichtung von Staustufen, die mit Hilfe von beweglichen Walzen den Wasserspiegel aufstauten und damit eine ausreichende Fahrrinnentiefe halten konnten, erwies sich als zwingend notwendig. Im Zuge der ab 1920 anlaufenden Bauarbeiten wurde die Neckarsteinacher Schleuse im Mai 1929 begonnen und 1931 fertiggestellt. Den Vorbehalten der Schiffer mit kleinen Booten, die befürchteten, nun gegenüber Schiffen mit größerem Tiefgang und deshalb größerer Ladekapazität nicht mehr konkurrenzfähig zu bleiben, begegnete man mit einer Befreiung von den Kanalgebühren für Boote bis 270 t.
Obwohl eine Reihe von Schiffern unter diesen veränderten Bedingungen ihr Schiffshandwerk aufgaben, sollten sich schon bald die Vorteile dieser weitgehenden Unabhängigkeit von regenarmen oder -reichen Jahren zeigen. Es setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, der viele Schiffsunternehmen veranlaßte, ihre Schiffe zu vergrößern, vor allem Massengüter wie Kies, Steine, Kohlen und Salz konnten jetzt konkurrenzfähig zur Eisenbahn transportiert werden.
Nach dem Krieg verursachte die Zunahme im Schiffsverkehr in den 50er Jahren vor den Schleusen oft lange Wartezeiten. Man baute deshalb die inzwischen bis Stuttgart kanalisierte Neckarstrecke zwischen 1956 und 1961 mit einer zweiten Schleusenkammer an jeder Staustufe aus. Diese Kammern sind 110 m lang und 12 m breit und erlauben heute eine Höchstschiffslänge von 105 m.
Die Energie des fließenden Wassers an den Stauwehren wird zur Gewinnung von Strom genutzt und in das allgemeine Netz eingespeist. Mit 10-11 Mio. t Güter pro Jahr ist der Neckar heute ein umweltfreundlicher und bedeutender Verkehrsträger und ersetzt ca. 500000 LKW-Ladungen.
Die Betreuung der 112 km langen Schiffahrtsstrecke, ihrer dem Bund gehörenden technischen Anlagen und Fahrzeuge liegt in den Händen des Wasser- und Schiffahrtsamtes Heidelberg. 1980 errichtete es im Industriegebiet von Neckarsteinach am Neckar einen zentralen Bauhof, von dem aus 12 Staustufen mit 25 Schleusenkammern und 12 Wehre mit ihren 40 Walzen maschinen- und elektrotechnisch unterhalten werden. Der moderne Bauhof umfaßt 60 Mann Personal und bietet auch etlichen Jugendlichen Ausbildungsplätze. Zu seiner Ausrüstung gehören eine Schleusenwerkstatt mit Hochfrequenztechnik, eine Hellinganlage, mit der die betriebseigenen Fahrzeuge aus dem Wasser gehoben werden und eine als Reparaturwerft genutzte Schiffsbauhalle.
Betreut werden von Neckarsteinach aus auch alle Schwimm- und Landfahrzeuge des Amtes, von denen besonders drei Schwimmgreifer zum Beseitigen von Einzelhindernissen im Fluß oder für Schleusenreparaturen, mehrere Prähme, das sind Transportfahrzeuge für Reparaturmaterial, Schuten und Motorboote zu erwähnen sind. Das Ausbaggern der Neckarfahrrinne haben inzwischen private Firmen übernommen. Zu den allgemeinen Aufgaben des Wasser- und Schiffahrtsamtes gehören die Bedienung der Schleusen, die Regelung der Wehre bei Hoch- und Niedrigwasser, bauliche Unterhaltung des Neckars und seiner Ufer, das Setzen von Schiffahrtszeichen, Verwaltung der Jagd- und Fischereirechte und einiges mehr.
1997 gab es ca. 15000 Schleusungen nur an der Staustufe Neckarsteinach. Auf dem gesamten schiffbaren Neckar sind es jährlich ca. 150000.
Elisabeth Hinz