(Privatbesitz; Besichtigung nur mit Genehmigung möglich) Die Burg wurde als dritte der vier Neckarsteinacher Burgen um 1200 von Ulrich I., Sohn des Minnesängers Bligger II. gebaut. Der Zugang erfolgte damals direkt von der Kirche den Burgberg zwischen zwei mächtigen Flügelmauern hinauf, die auch heute noch Die Vorderburgvorhanden sind. Der mächtige Bergfried und das unmittelbar angebaute dreistöckige Palasgebäude sind noch weitgehend original erhalten. Die darin heute sichtbaren Fensteröffnungen wurden mehrfach verändert: das älteste noch vorhandene spitzbogige Fenster im 2. Obergeschoß auf der Ostseite des Palas dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen. Der Eingang zum Burghof in Form eines spitzbogigen Tors befindet sich in der heute nur noch in Resten vorhandenen Ringmauer und trägt das Wappen der Landschaden von wahrscheinlich 1370/80. Die nördlichen Wirtschaftsgebäude wurden erst 1815 angebaut.
Wegen Verarmung des Rittergeschlechts wurde die Burg schon 100 Jahre nach ihrem Bau an die Bistümer Worms und Speyer verkauft, die Wormser Hälfte allerdings den Landschaden als Lehen und Wohnsitz gegeben. Erst ab 1474 gehört die ganze Burg wieder den Neckarsteinacher Rittern. Nach dem Aussterben der Landschaden 1653 erben die Metternichs die Burg, 1803 fällt sie - wie alle Burgen - an Hessen. 1825 kauft sie Freiherr von Dorth, der die Burg wieder bewohnbar macht und um sie herum einen Park mit besonderen Bäumen anlegt. Seit 1925 gehört sie den Freiherren von Warsberg und ist vermietet.
Die Mittelburg
Die Burg ist nur ein wenig älter als die benachbarte Vorderburg, hat aber im Gegensatz dazu ihren ursprünglichen wehrhaften Charakter völlig verloren. Bauherr soll um 1170 Konrad I., Mittelburgein Bruder des Minnesängers, gewesen sein. Die zunächst aus einem mächtigen Bergfried und einer kleinen Kernburg bestehende Anlage wurde ständig ausgebaut und um 1550 von Landschad Hans Bleickardt I., Marschall am Heidelberger Kurfürstenhof, nach dem Vorbild des Heidelberger Schlosses in ein Renaissance-Schloß mit Säulengalerie und Bogenhalle umgestaltet. Dabei verschwand auch ein Großteil der alten Ringmauer und der Zugbrückenzugang an der Ostseite. Ihr heute davon wieder gänzlich abweichendes Aussehen entstand um 1820, als im Rahmen der damals üblichen Romantisierung eine sogenannte Gotisierung der Burg stattfand. Dabei entstanden die vielen dekorativen Zinnenkränze, u.a. auch die auf dem Bergfried, der vorher ein Pyramidendach trug. Auch zusätzliche Türmchen und das nach Norden vorspringende große Treppenhaus stammen aus dieser Zeit.
Eine wechselvolle Geschichte brachte auch die Mittelburg in den Besitz verschiedener geistlicher und weltlicher Herren, darunter etliche Adelsgeschlechter aus der Umgebung, z.B. der Handschuhsheimer. Nach dem Übergang an Hessen1803 kam aufgrund geschichtlicher Ansprüche der Metternichschen Erben die Burg in den Besitz der Freiherren von Dorth. Als Nacherben sind seit 1943 die Freiherren von Warsberg Eigentümer, und zur Zeit bewohnt Johannes Freiherr von Warsberg die Burg mit seiner 7köpfigen Familie.
Die Hinterburg
Sie ist die älteste der vier Burgen und die Stammburg der Edelfreien von Steinach. Mit ihrem Bau wurde nach 1100 begonnen, als ihr erster Burgherr gilt Bligger I.. Aber erst sein Sohn Bligger II., der Minnesänger, baute sie zu einer monumentalen Stauferanlage aus, die ein regelmäßiges Fünfeck bildet. (Über die Bedeutung Bliggers II, siehe auch Geschichte). Original aus der Bauzeit erhalten und mit Buckelquadern ungewöhnlich aufwendig gemauert ist der ca. 20m hohe Bergfried mit bis zu 3 m dicken Mauern und dem einzigen Zugang in ca. 12m Höhe. Der heutige Treppenaufgang und die Aussichtsplattform entstanden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. HinterburgDie schönen gotischen Fenster in der südlichen Ringmauer sind Zeugen eines schon recht aufwendigen Palas aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts erfolgten weitere Umbauten, Veränderungen und Befestigungen. Das schöne Sandsteinrelief mit der Jahreszahl 1556 unterhalb der Treppe zeigt links das Harfenwappen des Neckarsteinacher Landschads Hans Pleikard und rechts das Rabenwappen seiner Frau Anna Elisabeth von Helmstadt. Der mittelalterliche, voll ausgemauerte Brunnen im Burghof wurde 1978 bis auf 23 m Tiefe ausgegraben und dabei in 18 m Tiefe eine begehbare Abzweigung in Richtung Mittelburg festgestellt.
Die Ruine ist ebenso wie die Burgruine Schadeck Eigentum des Landes Hessen.
Schwalbennest auch Schadeck
Die jüngste Neckarsteinacher Burg entstand etwa um 1230 und wurde direkt auf einen Felssporn aufgesetzt. Als Erbauer gilt Bligger V., ein Enkel des Minnesängers. Statt eines Bergfrieds gibt es hier eine ungewöhnlich mächtige, zweiflügelige Schildmauer, die mit ihrer Spitze gegen das Bergmassiv zeigt. An dieser Stelle wurde auch ein schmaler Halsgraben aus dem Fels geschlagen, Schwalbennest durch den man heute die Burganlage erreicht. Ursprünglich war der Aufgang zur Burg nur über einen Serpentinenweg von der Neckarseite her möglich.
Auf der Schildmauer befindet sich ein Wehrgang mit 2 Türmen; der achteckige Aufsatz auf dem nördlichen Turm ist eine unhistorische Romantisierung des 19. Jahrhunderts wie bei der Mittelburg. Einer der früheren Palagebäude lag im jetzigen Hof, wo die noch sichtbaren Fensteröffnungen einen herrlichen Blick auf Neckarsteinach bieten. Aber auch im Innern der Kernburg sind noch Reste von Wohngebäuden zu erkennen.
Beim Aussterben des Rittergeschlechtes 1653 muß die Burg noch in gutem Zustand gewesen sein. Erst im 18. Jahrhundert verfiel sie und diente u.a. dem Odenwälder Räuberhauptmann Lindenschmitt und seinen Gesellen als Unterschlupf.
Stadt Neckarsteinach