Es war 1965, als ein freundlicher Brief aus Pargny im Neckarsteinacher Rathaus eintraf, in dem nach der Bereitschaft zur Aufnahme von partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Gemeinden gefragt wurde. Die Initiative ging dabei von dem französischen Pfarrer George Carré aus, dessen Bruder kurz vorher die Partnerschaft zwischen der badischen Gemeinde Bammental und Vertus (nicht weit von Pargny entfernt) mitbegründet und dabei das Neckartal kennengelernt hatte. Pf. Carre war im Zweiten Weltkrieg in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten, aus der ihm 1944 mit Hilfe eines deutschen Unteroffiziers die Flucht gelang. Ihm lag daher ganz besonders viel an einer engen Freundschaft zwischen den beiden Völkern. Unterstützt wurde er dabei vom Pfarrer des Nachbarortes, Jean Pourgeoise, der etwas Deutsch konnte, sowie vom damaligen Bürgermeister von Pargny, Charles Regnault, der vier Jahre in Frankfurt Metzgergeselle gewesen war.
dass die Wahl all dieser Gründungsväter nun gerade auf Neckarsteinach fiel, lag in der irrigen Annahme der Franzosen, dass Neckarsteinach ebenso wie Bammental zum Rhein-Neckar-Kreis gehören würde - genauso wie Pargny und Vertus im Departement Marne liegen.
Erst später erfuhren die französischen Freunde von der Zugehörigkeit Neckarsteinachs zu Hessen, aber das war natürlich kein Hindernisgrund für die Partnerschaft. Zwei Jahre dauerten aber dann noch die ersten Kontakte und gegenseitigen Anfragen, bevor schließlich am 29./30. April 1967 im festlich geschmückten Rathaussaal von Pargny und am 9. September im Kurgarten von Neckarsteinach die Jumelage feierlich beschlossen und die Partnerschaftsurkunden ausgetauscht wurden.
"Die Stunde der Versöhnung zwischen den beiden Völkern ist gekommen", hieß es damals in den Ansprachen und Tischreden, und seitdem wurden von beiden Seiten große Anstrengungen unternommen, das frischgeknüpfte Band der Freundschaft zu festigen und weiter wachsen zu lassen. Es gab viele gegenseitige Besuche von Schulklassen, Familien, offiziellen Abordnungen und Sportvereine, und immer wieder waren die Neckarsteinacher Gruppen überwältigt von der französischen Gastfreundschaft.
In beiden Städten haben eine Reihe von Persönlichkeiten im Laufe der Jahre am Haus der Partnerschaft mitgebaut. In Pargny sind es schon vier Bürgermeister, die sich für die Jumelage beständig eingesetzt haben: Nach dem Mitbegründer M. Gabriel Regnault, der 1971 sein Amt niederlegte und 1980 starb, folgten Marcel Leroy, Serge Leclerc, Madame André Cheneby, Christian Burkel und seit 1997 wieder André Cheneby. Besondere Verdienste erwarben sich außerdem: Pfarrer Georges Carré und Stadtrat Paul Petitjean, die beide die Neckarsteinacher Bürgerehrung erhielten, Claude Menusier, Marc Parenthoen, M. Appell, Kreistagsabgeordneter M. Rapinat sowie Charles Eggermann.
In Neckarsteinach kann nach dem Gründungsvater und ständigen Förderer, Altbürgermeister H. Feurer, besonders der 1990 verstorbene Bürgermeister Josef Kollerer für sich in Anspruch nehmen, während seiner gesamten 19jährigen Amtszeit die Partnerschaft nach Kräften unterstützt zu haben. Daneben sind außerdem hervorzuheben Heinrich Krieger, Friedrich Marco, Jakob Jooß, und besonders Gustav Adolf Lohmann, der seit 30 Jahren als engangierter Dolmetscher für die Partnerstadt tätig ist. Weiterhin August Staub, Erwin Trumpfheller, Hans Nollert, Oskar Schmitt, Josef Foret, Karl Denner, Ernst Rasp, Werner Zobel und Heiner Götze.
Pargny - ein Industriestädtchen
1967 hatte Pargny ca. 2350 Einwohner und es zählt heute ca. 2800 Bürger. (Im Vergleich dazu Neckarsteinach 1967: 3167 und 1997: 3980 Einwohner mit Stadtteilen.) Während sich die beiden Partnergemeinden von der Größe her also ungefähr entsprechen, sind sie sonst sehr verschieden voneinander. Pargny liegt in der ebenen Nordchampagne und ist eine ausgeprägte Industriestadt. Sein Reichtum besteht im Vorkommen einer besonderen Tonerde, die schon zur Römerzeit - Ziegelfunde mit römischen Siegeln beweisen es - kleine Töpfereien entstehen ließen. Im 20. Jahrhundert wurden dann in Pargny vier große Ziegeleien errichtet, von denen noch zur Zeit der Partnerschaftsgründung der größte Teil der Einwohner lebte. Erst in den letzten 20 Jahren setzte eine rückläufige Entwicklung ein, und heute gibt es nur noch eine einzige Ziegelfabrik mit ca. 200 Mitarbeitern. Sie wurde 1990 mit Millionenaufwand in ein hochmodernes Werk umgebaut und stellt im Monat ca. 5000 Tonnen Ziegel her.
Ein weiterer großer Arbeitgeber in Pargny ist eine Fabrik zur Herstellung von Taschenfeuerzeugen, die weltweiten Ruf genießt.
Trotzdem beträgt die Arbeitslosigkeit in dem französischen Städtchen zur Zeit ca. 30 % und bereitet den Verantwortlichen große Sorgen. In einem neugeschaffenen Ausbildungs- und Lehrzentrum werden vor allem junge Arbeitslose mit neuen Kenntnissen und Arbeitsmethoden vertraut gemacht, um ihnen bessere Chancen in anderen Berufen zu geben. Umfangreiche Straßenarbeiten in Pargny in den letzten Jahren sind nahezu abgeschlossen und boten nur vorübergehend neue Verdienstmöglichkeiten. Im übrigen finden wir in Pargny einen internationalen Holzhandel sowie die üblichen Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein-Marne-Kanal ist unbedeutend und die Touristik spielt keine Rolle.
In den bisher 25 Jahren der Jumelage zwischen den beiden Gemeinden hat es zwar auch Phasen gegeben, in denen die Beziehung zu verflachen drohte, aber immer wieder fanden sich Anlässe und Menschen, die der Partnerschaft neuen Auftrieb gaben. Die Bilanz der 30jährigen deutsch-französischen Partnerschaft fällt auf jeden Fall positiv aus. Es wurden viele persönliche Freundschaften geschlossen, die heute bereits in die zweite Generation gehen. Die gegenseitigem Sprachkenntnisse vertieften sich, und für beide Nationalitäten bot die Verschwisterung Gelegenheit, die jeweils andere Lebensweise verstehen und akzeptieren zu lernen.
Weitere Informationen erhalten SIe unter http://mairie.wanadoo.fr/pargny.sur.saulx/
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Stadt Neckarsteinach