Katholisches Pfarramt
Pfarrer Schüpke
Kirchenstr. 13
69239 Neckarsteinach
06229 - 474
Dieter Klement, Diakon
Am Pfaffenrain 15
69239 Neckarsteinach
06229 - 2124
Fax: 06229 - 1399
Gottesdienste
Sonntagsmesse um 9.30 Uhr. Werktagsmessen und sonstige Gottesdienste
nach der Gottesdienstordnung, die in der Kirche ausliegt und im Schaukasten
ausgehängt ist.
Verglichen mit der über 500 Jahre alten spätgotischen evangelischen
Kirche ist die katholische Pfarrkirche von Neckarsteinach ein ganz junges
Gebäude. Das im neubarocken Stil erbaute und dem Hl. Herzen Jesu geweihte
Gotteshaus wurde erst 1908 fertiggestellt. Aber hinter diesem für eine
Kirche noch jungem Alter steht eine lange, wechselvolle und auch schmerzliche
Geschichte der katholischen Kirchengemeinde.
Die katholische KircheIhre Anfänge gehen in die ersten christlichen
Jahrhunderte zurück, als die hiesige Gegend dem Bistum Worms zugesprochen
wurde. Urkunden weisen darauf hin, dass im Jahre 1142, als die Bischöfe
von Worms das Zisterzienserkloster in Schönau gründeten, in Neckarsteinach
bereits eine kleine Pfarrkirche bestand. Diese romanische Kirche wurde 1483
auf dem gleichen Standort durch die heutige, damals der H1. Cäcilia
geweihte, spätgotische Kirche ersetzt. Erbauer war Bligger XIV. aus
dem Neckarsteinacher Rittergeschlecht der Landschaden. Nur 40 Jahre lang
diente das neue Gotteshaus dem katholischen Glauben, dann führte der
Sohn des Erbauers, Landschad Hans III., 1527 in Neckarsteinach die Reformation
ein. Mit der Familie des Landschads trat offensichtlich auch der größte
Teil der Neckarsteinacher Bevölkerung zum lutherischen Glauben über.
Nur ein auf der Hinterburg wohnender Verwandter des Ritters verschloß
sich der neuen Lehre und bildete den Keim einer sehr kleinen, später
wieder wachsenden Gemeinde, der allerdings 140 Jahre lang kein Gotteshaus
zur Verfügung stand.
Das änderte sich erst, als nach dem Aussterben der Landschaden 1653
das Neckarsteinacher Lehen an den katholischen Freiherrn Wolf Heinrich von
Metternich fiel. Dieser respektierte die bestehende lutherische Kirchenordnung,
ließ aber für seine Familie und die wenigen Katholiken im Ort
in der Kapelle seiner Mittelburg wieder katholische Gottesdienste feiern.
Als dann 1662 der evangelische Pfarrer starb, berief er neben dem neuen
evangelischen Pfarrer auch einen katholischen Geistlichen und machte aus
der spätgotischen Kirche ein Simultaneum. Am 2. Sonntag nach Pfingsten
fand nach 140 Jahren wieder ein katholischer Gottesdienst in der Kirche
statt, ein Datum, das als Neugründung der katholischen Kirchengemeinde
gilt und an dem bis heute in Neckarsteinach Kirchweih gefeiert wird.
Nahezu 250 Jahre lang nutzten nun beide Kirchengemeinden das gemeinsame
Gotteshaus, jahrzehntelang kam auch noch eine Gruppe von reformierten französischen
Flüchtlingen hinzu. Oft genug und bis weit ins 18. Jahrhundert hinein
führte dieser Zustand von drei Konfessionen unter einem Dach zu bösen
Streitigkeiten, die jahrelang die höchsten Gerichte beschäftigten.
Als Neckarsteinach 1803 hessisch wurde, gab es 178 lutherische, 79 katholische,
17 reformierte und 9 jüdische Familien.
Das Anwachsen der katholischen Gemeinde ließ gegen Ende des 19. Jahrhunderts
bei den Kirchenleitungen den Gedanken reifen, das Simultaneum zu lösen.
Äußerer Anlaß war die Feststellung, dass die inzwischen
über 400 Jahre alte Kirche einer dringenden Renovierung bedurfte. Unter
dem katholischen Pfarrer Columbara begannen mit Beginn des 20. Jahrhunderts
die Vorbereitungen für den Bau einer katholischen Pfarrkirche. Als
Standort einigte man sich auf das Gelände neben dem bereits seit 1719
bestehenden katholischen Pfarrhaus, gleich gegenüber der evangelischen
Kirche. Die Grundstücke wurden erworben und einige kleinere Gebäude
und ein Teil der schadhaften Stadtmauer abgerissen. Jedoch war man auch
damals bemüht, den historischen Charakter der Kirchenstraße zu
erhalten, weshalb die gesamte Planung und Bauausführung der Kirche
in enger Zusammenarbeit mit dem hessischen Landesdenkmalpfleger geschah.
Die katholische KircheGebaut wurde nach den Plänen des Darmstädter
Architekten Prof. Friedrich Pützer, der wegen der Angleichung an das
barocke Pfarrhaus einen neubarocken Stil für die Kirche vorgeschlagen
hatte. Groß war die Spendenfreudigkeit der Neckarsteinacher Katholiken:
1906 hatte der engagierte Pfarrer Columbara, der Neckarsteinach allerdings
dann verließ, bereits 34 000 Mark gesammelt. Unter dem neuen Pfarrer
Dr. Stock erfolgte der erste Spatenstich am 2. August 1907 und wenige Wochen
später die Grundsteinlegung mit der lateinischen Urkunde: "Gelobt,
gebenedeit soll sein zu jeder Zeit das Heilige Herz Jesu in alle Ewigkeit".
Bei der festlichen Einweihung der Kirche am 8. November 1908 an der sich
auch die evangelische Gemeinde beteiligte, erklangen auch schon 3 Glocken
aus dem provisorischen Turmstumpf. -
Der heutige Kirchturm (Architekt Alois Feuerstein) wurde nämlich erst
1962/63 aufgesetzt. Der gesamte Kirchenbau einschließlich der Inneneinrichtung
kostete damals 89 600 Mark, während nur für den Kirchturm 1963
schon 97 200 DM gezahlt werden mußten.
Durch großzügige Stiftungen gelang es, für das saalartige,
neubarocke Gotteshaus eine echtbarocke Ausstattung zu finden. Der exakt
passende und kurz vor der Einweihung eintreffende Hochaltar ist ein bedeutsames
Werk der Mainzer Barockkunst und wurde um 1750 wahrscheinlich von einem
Mainzer Schreiner für die katholische Kirche in Mainz-Gonsenheim geschaffen.
Dort war er 1908 nach einem Umbau Die katholische Kircheüberflüssig
geworden und sollte eigentlich für das Landesmuseum in Darmstadt erworben
werden. Nur den unermüdlichen Anstrengungen des Neckarsteinacher Pfarrers
Dr. Stock ist es zu verdanken, dass dann doch der Erwerb durch die katholische
Gemeinde Neckarsteinach genehmigt wurde. Die beiden zierlichen Seitenaltäre,
der Muttergottes und dem H1. Josef geweiht, sind Stiftungen des Freiherrn
von Metternich aus dem Jahre 1711 und standen seit 200 Jahren in der gegenüberliegenden
Simultankirche. An der Stelle der heutigen Mittelfigur im Hauptaltar, dem
Hl. Stephanus, gab es mehrfach andere Statuen, so z. B. zum Höhepunkt
der Herz-Jesu-Verehrung gleich nach der Einweihung eine Christusfigur mit
dem Herzen Jesu und einer Weltkugel, wovon auch noch ein Bild existiert.
Die barocke Kanzel kommt aus Mannheim-Neckarau, und der Taufstein stammt
aus dem 16./17. Jahrhundert.
Die erste Orgel wurde 1913, die zweite für 80 000 DM 1974 eingebaut.
Für die in den Weltkriegen geschmolzenen ersten Glocken ermöglichten
einheimische Stifter 1963 gleichwertigen Ersatz. Stifter waren die Familie
Alexander von Warsberg, die Gebrüder Feuerstein und Pfarrer Knapp.
Das Geld für die größte Glocke kam durch allgemeine Spenden
zusammen. Der neuen Liturgie entsprechend erhielt der Altarraum 1973 einen
vom Neckarsteinacher Steinmetz Klaus Rolke entworfenen und angefertigten
Altartisch, der sich gut in das Gesamtbild einfügt. Mehrere umfassende
Renovierungen in den letzten Jahrzehnten, bei denen der einheimische Künstler
und Kirchenfenstermaler Valentin Feuerstein bei der Farbgebung mit Rat und
Tat zur Seite stand, ließen die kleine Kirche innen und außen
zu einem Schmuckstück werden, das das historische Bild der Kirchenstraße
erheblich bereichert.
Personen
Diakon Dieter Klement
1987 zum Diakon geweiht. Seit 1987 Diakon in Neckarstinach
